Der vielleicht faszinierendste Fakt über den Dogenpalast ist, dass zwei der Säulen seiner oberen Loggia aus rotem Verona-Marmor bestehen, während die übrigen aus weißem istrischem Stein gefertigt sind. Zwischen diesen beiden roten Säulen wurden von der Republik Venedig öffentlich die Todesurteile verkündet, was den Menschenmengen auf der Piazzetta als düstere Mahnung an die staatliche Justiz diente.
Ein Palast wie kein anderer
Der Dogenpalast ist ein Meisterwerk der venezianischen Gotik, einem Stil, der traditionelle gotische Bögen mit byzantinischen und maurischen Einflüssen verbindet. Im Gegensatz zu vielen europäischen Palästen ist sein Design berühmt dafür, „auf dem Kopf zu stehen“. Die massive, geschlossene Wand des Obergeschosses ruht auf zwei Ebenen filigraner, offener Arkaden und Loggien, was eine Illusion von Leichtigkeit erzeugt, die der Schwerkraft zu trotzen scheint und von der Kunstfertigkeit seiner Erbauer aus dem 14. Jahrhundert zeugt.
Geheimnisse des Palastes und der Gefängnisse
Hinter seinen prachtvollen Sälen verbarg der Palast die dunklere Seite der venezianischen Macht. Er beherbergte nicht nur die Regierung, sondern auch Gerichtssäle, Verwaltungsbüros und Gefängnisse. Ein heutiger Besuch beinhaltet oft die Überquerung der berühmten Seufzerbrücke, die den Palast mit den Neuen Gefängnissen verbindet, und die Erkundung der düsteren Zellen, was ein vollständiges Bild der venezianischen Gesellschaft vermittelt.
10 überraschende Fakten über den Dogenpalast
- Die roten Säulen der Gerechtigkeit: Wie bereits erwähnt, sind zwei markante Säulen auf dem Balkon zur Piazzetta aus rotem Marmor. Von dieser Stelle aus wurden Todesurteile verlesen, und der Doge saß bei Staatszeremonien zwischen ihnen.
- Casanovas große Flucht: Der berüchtigte Abenteurer und Schriftsteller Giacomo Casanova war 1755 im Hochsicherheitsgefängnis des Palastes, den sogenannten Piombi (Bleikammern), inhaftiert. Er erlangte Legendenstatus durch eine kühne und komplexe Flucht über das Dach, eine Geschichte, die er später in seinen Memoiren ausführlich beschrieb.
- Das größte Ölgemälde der Welt: Der Saal des Großen Rates (Sala del Maggior Consiglio) beherbergt „Das Paradies“ (Il Paradiso) von Tintoretto. Mit einer Größe von etwa 22 mal 7 Metern ist es eines der größten Ölgemälde auf Leinwand weltweit.
- Ein fehlender Doge: Entlang des Frieses im Saal des Großen Rates befinden sich Porträts der ersten 76 Dogen von Venedig. Ein Platz ist jedoch mit einem schwarzen Tuch verhüllt. Dies markiert die Stelle, an der das Porträt von Doge Marin Faliero sein sollte; er wurde 1355 wegen Hochverrats hingerichtet und dazu verurteilt, in Vergessenheit zu geraten.
- Die Seufzerbrücke: Die ikonische Brücke, erbaut 1614, hat einen romantischen Namen, aber einen düsteren Zweck. Sie verbindet die Verhörräume im Palast mit den Neuen Gefängnissen. Die „Seufzer“ sollen von den Gefangenen gekommen sein, die einen letzten Blick auf das schöne Venedig erhaschten, bevor sie eingekerkert wurden.
- Die Tour „Geheime Wege“: Spezielle Führungen (Itinerari Segreti) führen Sie durch versteckte Gänge und geheime Räume, die mit einem Standardticket nicht zugänglich sind. Dazu gehören Folterkammern, die Privatkanzlei des Dogen und Casanovas Gefängniszelle.
- Das Papiertor: Der öffentliche Haupteingang des Palastes wird Porta della Carta („Papiertor“) genannt. Seinen Namen erhielt es wahrscheinlich, weil hier offizielle Erlasse und Gesetze für die Öffentlichkeit ausgehängt wurden.
- Ein architektonisches „Wunder“: Die einzigartige Struktur des Palastes mit seinem schweren Obergeschoss, das scheinbar auf filigranen unteren Arkaden schwebt, war eine technische Meisterleistung. Möglich wurde dies durch die Verwendung leichter Materialien wie hohler Terrakottaziegel für die oberen Wände und massivem istrischem Stein für die Säulen darunter.
- Mehr als nur ein Wohnsitz: Der Palast war das komplette zivile und administrative Zentrum der Republik Venedig. Er beherbergte die Privatgemächer des Dogen, Gerichtssäle, Ministerien, einen Justizsaal und Gefängnisse – alles unter einem Dach.
- Museum seit 1923: Nach dem Fall der Republik Venedig 1797 diente der Palast verschiedenen Verwaltungszwecken, bevor der italienische Staat ihn 1923 in ein öffentliches Museum umwandelte, um seine riesigen Kunst- und Geschichtsschätze für die Welt zu bewahren.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Besondere am Dogenpalast?
Der Dogenpalast ist besonders wegen seiner einzigartigen venezianischen Gotik-Architektur, die der Schwerkraft zu trotzen scheint, und seiner Rolle als politisches Machtzentrum der Republik Venedig für über 1.000 Jahre. Er beherbergt unglaubliche Kunstwerke, darunter eines der größten Ölgemälde der Welt, und birgt unzählige historische Geheimnisse.
Warum sind zwei Säulen des Dogenpalastes rot?
Zwei Säulen an der Hauptfassade bestehen aus rotem Verona-Marmor, um die Stelle zu markieren, an der offiziell Todesurteile verkündet wurden. Dieser Ort diente als mächtiges und öffentliches Symbol der richterlichen Gewalt der Republik.
Was ist die Geschichte der Seufzerbrücke?
Die Seufzerbrücke verbindet die Verhörräume des Dogenpalastes mit den Neuen Gefängnissen. Ihr Name stammt von der romantischen Vorstellung, dass Gefangene seufzten, als sie die Brücke überquerten und einen letzten Blick auf Venedig warfen, bevor sie inhaftiert wurden.
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